Nach zwei Jahren corona-bedingter Zwangspause sollte es in diesem Jahr wieder so weit sein, 10 Pilger*innen machten sich auf den weiten Weg nach Decazeville in Frankreich, wo in 2019 das letzte Etappenziel erreicht wurde. Mit einfühlsamen Worten und dem Pilgersegen wurde die Gruppe von Pfarrerin Maike Kniese zu früher Morgenstunde verabschiedet.

Wie sollte es für Pilger anders sein, der Weg der ersten Etappe führte wie fast immer erst einmal steil bergauf, altbekannte Geröll-Pisten lagen immer wieder unter unseren Füßen. Höchste Aufmerksamkeit war hier gefragt. Es wechselten sich Felder, Wiesen, kleine Weiler und mit Bäumen gesäumte Wege ab. Das erste Ziel war Figeac, ein schöner, kleiner Ort mit pulsierendem Leben und ein Ort der Kunst und Geschichte. Besonders hervorzuheben ist hier das ägyptische Hieroglyphen-Museum. Nicht umsonst ist dieser Ort vom französischen Kulturministerium ausgezeichnet.
Der Route folgten am nächsten Tag viele Sehenswürdigkeiten, so z. B. sogenannte Dolmen. Das sind Grabkammern aus aufrecht gestellten Steinen mit ebenfalls riesengroßen Decksteinen, entstanden in der Kupferzeit ca. 3500 – 4000 v. Chr. Im Blickfeld standen oft sogenannte „Cazelle“, nur mit Steinen aufgetürmte runde Gehäuse vorwiegend als Schutz für Schäfer. Auch das kegelförmige Dach war ohne Mörtel nur mit Steinen gebaut, architektonische Kunstwerke. Der Weg führte über Kalksteinplateaus, die zu Zeiten der Dinosaurier entstanden sind. Entgegen der Ankündigungen der berühmten Wetter-Apps fiel dankenswerterweise so gut wie kein Regen. Ein kleiner Schauer verdunstete regelrecht auf den Körpern der verschwitzten Teilnehmer.

Weiter verlief der Weg durch eine Trüffelgegend und den Erntebereich von Safran, dem teuersten Gewürz der Welt. Alte, weiße Steinmauern flankierten die Felder und Wälder, teils moosbedeckt, immer eine Augenweide. Herrliche Aussichten in die Natur, leider hat auch hier die Trockenheit viele Schäden angerichtet, tiefe Furchen in den Böden und teilweise Baumfärbungen wie im Herbst.
Auf Anraten einer französischen Pilgerin besuchten wir das ganz unter Denkmalschutz stehende Dorf St. Cirq Lapopie, eine mittelalterliche Festung, von deren Gipfel wir belohnt wurden mit einem atemberaubenden Blick auf das Lottal.

In Cahors war die Brücke Pont Valantré mit ihren acht Bögen und drei Türmen zu bestaunen, ein Wahrzeichen der Stadt und aufgenommen ins Unesco-Weltkulturerbe.
Nach den kahlen, weißen Kalkplateaus, die der Landschaft den Namen Quercyblanc verliehen,
wurde es mit den Tagen immer grüner und weitläufiger. Es kam ein regelrechtes Toscana-Feeling auf.
Riesige Sonnenblumenfelder, so weit das Auge reichte, aber leider verblüht oder vertrocknet? Zu schade. Was wäre das ein Anblick gewesen in voller Blüte.
Durch die ausgesuchten, überwiegend privaten Pilgerherbergen kamen wir viel in Kontakt mit anderen Pilgern, meist Franzosen. An einem Abend spielte ein junger Mann auf der Gitarre und sang dazu französische Chansons, mit einer perfekten Stimme und einem Charisma, einfach unvergesslich. In einer anderen Herberge, wo nur Schutz gesucht wurde vor der Sonne, berichtete Joel von einem Geistlichen, der dieser Tage vorbei kam und den Weg nach Santiago barfuß hinter sich bringen wollte. Für uns schier unglaublich. Solche Begegnungen gab es in diesem Jahr häufig und bereicherten die Pilgertour ungemein.

In Lauzerte war es uns ebenfalls vergönnt, nach einem Bummel durch die kleine Stadt
oberhalb des Pilgergartens eines mind. 180 Grad-Ausblick in die Täler der Barguelonne zu genießen.
In Moissac angekommen stand eine Besichtigung der Abteikirche Saint Pierre auf dem Programm.
Der anschließende Besuch des eindrucksvollen Kreuzgangs mit seinen 76 erhaltenen Kapitellen war das absolute Highlight. Er soll der schönste und älteste Kreuzgang in Frankreich sein mit den am reichsten ausgestatteten Kapitellen der gesamten Romanik. Hier hätten wir mehr Zeit benötigt.

Auf unserem Weg waren aber nicht nur Geröll-Pisten und steinige Wege zu absolvieren. An einem Tag durfte stundenlang an einem Seitenkanal namens Tarn gepilgert werden. Hohe, alte Platanen boten Schatten und je nach Sonneneinstrahlung färbte sich das Wasser in verschiedene Grün-Töne, wie aus einem Bilderbuch.

Jetzt wurde es jeden Tag heißer mit Temperaturen über 32 Grad. In Auvillar, fast am Ziel unserer Pilgerreise, konnte eine Pilgermesse besucht werden, die von einem Priester aus dem Kongo gehalten wurde. Nahe der Kirche bot sich auch hier wieder ein umwerfender Weitblick in das Garonnetal.

Der Jakobsweg führte uns weiter nach Lectoure , dem endgültigen Ziel in diesem Jahr, am Horizont waren schon die Pyrenäen zu entdecken. Ein Vorgeschmack auf das nächste Pilgern 2023.
In Lectoure angekommen, stand noch ausreichend Zeit zur Verfügung, das kleine Städtchen zu besuchen mit seinen alten, teils sehr aufwändig renovierten Steinhäusern.
Es war wieder ein sehr eindrucksvoller Pilgerweg mit vielen besonderen Orten und gemeinsamen Erlebnissen, die den Zusammenhalt der Gruppe vertiefte.

Renate John

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